"Hundertprozentige Sicherheit im Internet“? - „Vergessen Sie´s“!

Bildung

Bei Internet und sozialen Medien gibt es Licht und Schatten – das wurde bei einer Podiumsdiskussion in Würzburg deutlich. Eingeladen hatten die Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) und die Jusos Unterfranken.

„Es ist gut, dass es das Internet gibt“, zeigte sich die AfB-Vorsitzende Kathi Petersen (Schweinfurt) überzeugt. “Durch das Internet wird Wissen für jedermann zugänglich“. Genau darin liege aber auch das Problem, so Petersen. Es stelle sich nämlich die Frage: „Welche Quelle ist verlässlich? Kann man Informationen im Internet trauen“? Diese Frage sollte sich wie ein roter Faden durch den Abend ziehen.

Eine erste – ziemlich deutliche - Antwort darauf hatte Prof. Dr. Marc Erich Latoschik (Uni Würzburg): „Vergessen Sie's“! Da Computersysteme niemals zu 100% sicher seien, könne man auch nie wissen, ob jemand nicht falsche Informationen eingeschleust hat. „Was die Bildung angeht, müsste man digitale Medien eigentlich völlig weglassen“, so Latoschik.

Von Haus aus Informatiker, sei seine jetzige Fachrichtung heutzutage zu 50% Psychologie.

Menschen umgäben sich nun mal am liebsten mit Menschen, die die eigene Meinung teilen. Die sogenannten „Filterblasen“ habe es schon immer gegeben. Nur sei unsere Wahrnehmung heutzutage anders. Der Grund dafür: „Wir sind gar nicht so rational, wie wir immer denken, sondern wir sind emotional agierende Tiere“. Der Mensch könne sich zwar im Internet mit anderen Meinungen auseinandersetzen, tue dies aber nicht.

Das Internet müsse man grundsätzlich sehr kritisch sehen. Vor allem sei es nicht, wie das gerne behauptet werde, als idealistische Plattform gegründet worden - „sondern als Verteidigungsmechanismus der USA“.

In diesem Zusammenhang ging Latoschik auf den kürzlich beschlossenen „Staatstrojaner“ ein. Hierbei handele es sich um einen Eingriff in Grundrechte. „Warum demonstrieren die Menschen nicht dagegen?“

Nicht ganz so dramatisch sah die Entwicklung Andreas Kemper(Chefredaktion Mainpost, Bereich Digitales). „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ zitierte er Hölderlin. Der heutige Journalismus brauche neue Kompetenzen im Umgang mit dem Internet: „Wir müssen lernen, neue Entwicklungen und Verhaltensweisen zu erkennen“, so Kemper. „Vor allem vor dem Hintergrund von „Fake News““. Diese habe es in der Tat immer schon gegeben. Doch: Durch die Echokammern im Internet verbreiteten sie sich immer stärker – und vor allem ungeprüft.

Die Mainpost versuche, ihre Quellen so genau wie möglich zu prüfen. Auch wenn die Nutzung von digitalen Medien immer wichtiger werde – „Die Mainpost wird es auch noch in dreißig Jahren in gedruckter Form geben. Das kann ich Ihnen versprechen“, so Kemper. Viele Menschen würden Zeitungen auch wegen ihrer „Abgeschlossenheit“ gerne lesen. Deswegen biete die Mainpost diese Form auch digital an.

Dass junge Menschen eher ihre Nachrichten durch facebook und andere online-Angebote beziehen, machte Michael Reitmair deutlich. Der Vorsitzende der Jusos Unterfranken sprach sich dafür aus, jungen Menschen das nötige Werkzeug für den kritischen Umgang mit sozialen Medien an die Hand zu geben. Die Entwicklung sei aber klar: „Die Frage „soziale Medien ja oder nein?“ stellt sich nicht. Eher, wie gehe ich damit um“.

Ähnliches forderte Bernd Moser (Stellv. Vorsitzender der AfB Unterfranken), der sich neben einer gewissen Skepsis bei den sozialen Medien vor allem eine bessere Debattenkultur in Deutschland wünschte. „Diese Kultur zu verändern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

In die Debatte des Abends leitete Kathi Petersen nach den Eingangsstatements ein. Ob nicht durch die sozialen Medien die Gefahr bestehe, dass das soziale Leben zu kurz komme. Sowohl Marc Latoschik als auch Andreas Kemper teilten diese Befürchtung nicht. Eine aktuelle Studie des amerikanischen Pew-Instituts zeige z.B., dass zwar 85% der Deutschen einen Internetanschluss hätten, jedoch nur 39% von ihnen auch bei sozialen Medien vertreten seien. Schwierig sei es natürlich mit „Social Bots“ (Computerprogrammen, die automatisch auf gewisse Begriffe reagieren und Nachrichten verbreiten). Diese versuche man, soweit wie möglich herauszufiltern.

Offensichtlich waren einige der 61% auch bei der Veranstaltung vertreten. Skeptische Haltungen gegenüber facebook und Co. überwogen. So äußerte eine Zuhörerin, sie nutze bewusst keine der sozialen Medien und habe dadurch ein „besseres Leben“.

Die Qualität journalistischer Arbeit bewegte die gesamte Teilnehmerrunde. Wurde von manchen Teilnehmern eine generelle „Schnellschuss“-Mentalität bei der Nachrichtenverbreitung durch Push-Nachrichten u.ä. kritisiert, so unterstrich Kemper für die Mainpost, dass man dort sehr auf geprüfte Inhalte achte. Als Beispiel nannte er das Axt-Attentat in Würzburg-Heidingsfeld im Sommer 2016: Hier sei man aufgrund des Themas besonders sensibel und akkurat vorgegangen.

Weiterhin zur Sprache kamen die unterschiedlichen Ansichten bezüglich der „Verlotterung“ der heutigen Jugend: Viele junge Menschen würden in Bussen und Straßenbahnen nur noch auf ihre Handys schauen und nicht miteinander kommunizieren. Dies führe eben doch zu einer Schwächung des sozialen Lebens. „Können die Kinder später dann überhaupt richtig diskutieren?“, fragte ein Zuhörer. Hier seien sowohl das Elternhaus als auch die Schulen in der Pflicht. Ein andere Teilnehmerin entgegnete, sie habe in der Arbeit mit Jugendlichen andere Erfahrungen gemacht: Zwar verabrede man sich über whatsapp, bei Treffen werde aber viel direkt miteinander geredet.

 
 
 

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