Bald 50 Prozent Strom aus Erneuerbaren

Umwelt

Erneuerbare Energien werden im Jahr 2020 beinahe die Hälfte des deutschen Strombedarfs decken. Dies geht aus der aktuellen Ausbauprognose der Branche hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die von vielen befürchtete Stromlücke wird es demnach nicht geben.

"Die Notwendigkeit zum Ausbau der Erneuerbaren Energien bleibt trotz der Finanzkrise erhalten", sagte der Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) Dietmar Schütz am Mittwoch in Berlin.

Nach Angaben des BEE und der Agentur für Erneuerbare Energien sollen in zehn Jahren 47 Prozent des verbrauchten Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Dies entspricht einer Verdreifachung im Vergleich zu heute. Derzeit tragen die Erneuerbaren Energien 15 Prozent zur deutschen Stromversorgung bei.

„Die Windenergie ist der größte Produzent im Konzert der Erneuerbaren“, sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz. So sollen in zehn Jahren Windräder an Land 19 und auf See weitere sechs Prozent des Stroms liefern. Bioenergie wird mit neun, Photovoltaik mit sieben, Wasserkraft mit fünf sowie Geothermie mit einem Prozent veranschlagt. Gemeinsam sollen Erneuerbare Energien 2020 rund 278 Milliarden Kilowattstunden zur Stromproduktion beitragen.
Stromlücke flexibel schließen

Erreicht werden soll dies über Effizienzsteigerungen, das Erschließen neuer Potenziale sowie die Modernisierung veralteter Anlagen, so genanntes Repowering. Eine Unterversorgung mit Strom etwa bei Windstille oder bewölktem Himmel müsse niemand fürchten, so Schütz. „Die Bioenergie wird einen großen Beitrag zur Stromsicherheit leisten.“ So soll die Stromproduktion aus Biogas und Holzpellets in den kommenden zehn Jahren verdoppelt werden. Auch Pumpspeicherwasserkraftwerke sollen helfen, die Stromversorgung flexibel zu regulieren.

Auf diese Weise sollen konventionelle Kraftwerke langfristig überflüssig werden. "Die Versorgungssicherheits ist gewährleistet, wir brauchen keine neuen Kohlekraftwerke", betonte Schütz. Allerdings seien die politischen Rahmenbedingungen für den Erfolg der Erneuerbaren Energien entscheidend. Ihnen müsse weiterhin ein Vorrang eingeräumt werden, wie er im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgeschrieben ist. „Wer dennoch Sonderregelungen für Kohlekraftwerke schafft oder den Atomausstieg rückgängig machen will, zerstört die Investitionssicherheit in der Branche“, so Schütz. Werde jedoch der eingeschlagene Kurs beibehalten, seien sogar bessere Ergebnisse möglich als prognostiziert.
Nachholbedarf bei der Wärme

Ein eine große Herausforderung neben dem Ausbau der Speichertechnik bleibt der Einsatz von Erneuerbaren Energien in der Wärmeproduktion, sie ist für 51 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich. Zwar gibt es seit Jahresanfang ein Erneuerbares-Wärmegesetz, allerdings erfasse dieses nur die Neubauten, kritisierte BEE-Präsident Schütz. "Der Neubau macht aber nur 20 Prozent aus, 80 Prozent sind Bestandsbauten."
von Kai Doering, Karsten Wiedemann - 29.01.2009 (Vorwärts)

 
 
 

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