Mehr Demokratie wagen

Veranstaltungen

Wir wollen mehr Demokratie wagen“, unter dieses Motto hatte der Arbeitnehmer-Bildungsverein Veitshöchheim mit Unterstützung des SPD Ortsvereins eine Informationsveranstaltung gestellt, die wenigstens ein grobes Bild von Willy Brandt zeichnen sollte. Das Lebenswerk des Bundeskanzlers Willy Brandt in seiner Gänze zu beurteilen, würde den Zeitrahmen einer abendlichen Veranstaltung sprengen, betonte Albrecht Vornberger, Vorsitzender des Bildungsvereins. „Deshalb wollen wir versuchen, uns an diesen berühmten Staatsmann anzunähern, vielleicht werden dann die politischen Visionen deutlich, die Willy Brandt als Kanzler, als Parteivor-sitzender und als Staatsmann geleitet haben.“


„Willy Brandt ist einer der bedeutendsten und zugleich populärsten Kanzler der Bundesrepublik und einer der herausragenden Sozial-demokraten des 20. Jahrhunderts“, stellte zu Beginn seines Refera-tes Walter Kolbow, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär fest. „Keiner war so charismatisch aber auch so um-stritten, wie Brandt“, führte Kolbow aus, „wie nur wenige hat er das politische Klima in unserem Land nachhaltig geprägt.“
Aus einfachen Verhältnissen stammend, trat er bald der sozialisti-schen Bewegung bei und musste, weil er Gegner des Nationalsozialismus war, 1933 nach Norwegen emigrieren. Dort legte er seinen Geburtsnamen Herbert Ernst Karl Frahm ab und nahm den Namen Willy Brandt an.
Bereits als Außenminister der großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger, legte Willy Brandt den Grundstein für die Entspannungs-politik mit osteuropäischen Ländern. Die Ostpolitik, die man in der Regierungszeit als Kanzler der sozialliberalen Koalition unter dem Stichwort: „Wandel durch Annäherung“ fassen kann, war die vorsichtige Annäherung an die Sowjetunion, an Polen und Tschechoslowakei. Nach seinem berühmten Kniefall von Warschau im Dezember 1970 erhielt Brandt für seine Entspannungspolitik 1971 den Friedensnobelpreis.
Kolbow verwies stolz auf den Wahlsieg der SPD bei der Bundes-tagswahl vom 19. November 1972, bei der die SPD mit 45,8 Prozent die meisten Stimmen holen konnte. Dabei hatte Brandt ein konstruktives Misstrauensvotum vom April 1972 überstanden, das an zwei Stimmen gescheitert war. Kolbow zitierte Brandt: „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt euch auf eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“
Der ehemalige Staatssekretär Walter Kolbow nannte beispielhaft für die Reformbestrebungen der Regierung Brandt/Scheel die Bildungspolitik als die Möglichkeit, dass Kinder aus Arbeitnehmerfamilien gleichwertige Bildungschancen haben müssten. Auch bei der Emanzipation setzte die sozialliberale Koalition Reformen durch. Das Wahlalter wurde von 21 auf 18 Jahre gesenkt, ein Städtebauförderungsgesetz verabschiedet und das Betriebsverfassungsgesetz reformiert. Und viele andere Reformen wurden angepackt und voran getrieben. „Den Einsatz von Willy Brandt für den Umweltschutz und die Friedenspolitik, will ich nicht unerwähnt lassen“, so Kolbow.
Schon 1961 beim Bau der Berliner Mauer, bei der Brandt die Untä-tigkeit der Alliierten beklagte, äußerte sich Brandt, dass er sich wün-schen würde, „eines Tages ungehindert durch das Brandenburger Tor gehen zu können.“ Deshalb sei die Wiedervereinigung für ihn die Erfüllung eines Traumes gewesen, so Kolbow, auf den Tag hatte er lange hingearbeitet. „Die Wiedervereinigung ist ohne Brandts Ostpolitik nicht denkbar“, bekräftigte Kolbow.
In ihrem Schlusswort für den mitveranstaltenden SPD-Ortsverein erinnerte die Bürgermeisterkandidatin Ute Schnapp daran, dass Willy Brandt von 1964 bis 1987 Parteivorsitzender war und als er das Amt abgab, bis zu seinem Tod 1992 Ehrenvorsitzender blieb. „Vom Lübecker Arbeiterjungen, zum Nazi-Gegner, zur Emigration arbeitete sich Willy Brandt empor bis zum Berliner Bürgermeister, zum Außenminister und schließlich zum Bundeskanzler“, sagte Ute Schnapp aus. Bis zu seinem Tod sei Willy Brandt ein weltweit hochgeachteter Staatsmann gewesen, dem die Gesellschaft bis heute noch viel zu verdanken hätte.

 
 
 

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