Der "Schnorre Wolf"

Ein Leben im Dienst der Demokratie und des Gemeindewohls

1883 - 1969

1908 erwarb Anton Wolf das Bürgerrechte in der Gemeinde Veitshöchheim. Nur ein eng gezogener Kreis von "Bürgern" besaß das Wahlrecht zur Gemeindewahl. Zahlreiche Einwohner - Tagelöhner, Arbeiter, Kleinbauern - waren damals in ihrer Heimatgemeinde völlig rechtlos, weil sie sich das teuere Bürgerrecht nicht leisten konnten. So einfach hatte man es sich 1868 gemacht, den ärmeren Bevölkerungsschichten demokratische Grundrechte vorzuenthalten.
Nicht leicht ist es sicher auch dem damals 25 Jahre alten Anton Wolf gefallen, das Bürgerrecht zu erwerben, waren doch 22,50 RM bei einem Stundenlohn von 15 - 20 Pfennig für den jungen Mauerer ein hoher Betrag.
bereits 1912 wurde Anton Wolf zum Vorsitzenden des Ortsvereins Veitshöchheim gewählt. Er sollte dieses Amt bis zum Verbot der Partei 1933 innehaben. Nur wenige Bürger genossen ein derartiges Ansehen und eine solche Achtung wie er, der von 1919 bis 1933 auch die Bürgerinteressen im Gemeinderat vertrat. 1933 kündeten Antinazi- Parolen am Hoftor seines Anwesens in der Oberen Maingasse von seiner politischen Einstellung. Kein Wunder, dass er Repressalien ausgesetzt war und sich Hausdurchsuchungen gefallen lassen musste. Die Unterlagen der Partei hatte er jedoch so sicher verwahrt, dass sie nicht gefunden wurden. Auch beim Neubeginn nach dem Krieg leistete er wertvolle Aufbauarbeit als erster Vorsitzender des Ortsvereins. 1947 wurde er für seine Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Bis 1960 gehörte er dem Kreisrat an, bis 1961 setzte er sich im Gemeinderat für die Belange der Mitbürger ein, davon lange Zeit als Fraktionsvorsitzender. Als er 1961 im Alter von 78! Jahren aus dem Gemeinderat ausschied, würdigte ihn der damalige Bürgermeister Vornberger als einen aufrechten, geradlinigen, unbestechlichen Demokraten, der kompromißlos für die Belange der Gemeinde eingetreten sei und sich stets dem Einzelnen gegenüber hilfsbereit gezeigt habe. 1961 erhielt er für seine langjährige Tätigkeit als Gemeinde- und Kreisrat das Bundesverdienstkreuz. 1963 wurde ihm für besondere Verdienste um den Landkreis die Plakette des Landkreises verliehen.

 
 

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