Neues aus der Politik

Bundespolitik

Veitshöchheim Blog

Führung im Fastnachtmuseum

Veröffentlicht am 16.02.2026 in Ortsverein

Am Faschingssamstag, jenem Tag, an dem andernorts Konfetti durch die Luft wirbelt und Büttenreden um die Gunst des Publikums ringen, fanden zwanzig kulturinteressierte Närrinnen und Narren den Weg in das Fastnachtmuseum – und folgten damit der Einladung des SPD-Ortsvereins Veitshöchheim zu einer Führung der besonderen Art. Statt Helau und Alaaf standen Historie, Hintergründe und handfeste Informationen auf dem Programm; statt Pappnase und Polonaise gab es kenntnisreiche Einblicke in die Welt der Fastnacht, die, wie sich zeigte, weit mehr ist als bloß ausgelassene Heiterkeit.

Den Auftakt der Führung gestaltete Bernhard Schlereth mit einem Rückblick auf die bewegte Geschichte des Hauses. Vor genau sechzig Jahren, am Faschingsdienstag, wurde die Eröffnung des Museums im Faltenturm gefeiert – ein symbolträchtiger Moment, der kaum besser hätte gewählt werden können. Später folgte der Umzug in die Luitpoldstraße, nachdem in der Luitpold- und Rosenstraße nach und nach mehrere Gebäude erworben worden waren. Mit dem Kauf durch den Fastnachtverband Franken erhielt das Museum schließlich eine tragfähige Struktur; seither finanziert es sich durch vielfältige Aktionen, Eintrittsgelder sowie durch eine Stiftung – eine solide Basis für närrische Nachhaltigkeit.

Dass Kultur nicht nur Herzblut, sondern auch Haushaltsdisziplin verlangt, zeigte sich bei der Sanierung, deren Kosten sich auf rund zehn Millionen Euro beliefen. Der Umbau erfolgte in angemessener Zeit, der anvisierte Plan wurde nicht nur eingehalten, sondern die kalkulierten Kosten sogar unterschritten – eine Leistung, die in Zeiten notorischer Bauverzögerungen beinahe selbst musealen Charakter besitzt. Maßgeblichen Anteil daran hatte Bernhard Schlereth, der nicht nur bei der Auswahl der Materialien, sondern auch bei der Umsetzung mit Eigeninitiative und wachem Blick fürs Detail überzeugte. Bürokratische Hürden galt es freilich dennoch zu überwinden: Insbesondere die Frage der Namensgebung verlangte Beharrlichkeit, ehe schließlich die Bezeichnung „Kulturzentrum“ den gordischen Knoten durchschnitt und den Weg frei machte.

In der Führung selbst spannte Schlereth einen weiten Bogen – von den Ursprüngen der Fastnacht bis zu ihren heutigen Erscheinungsformen. Anschaulich, ja bisweilen mit augenzwinkernder Dramatik, schilderte er die Entwicklung von Fasching und Fastnacht, erläuterte Zusammenhänge zwischen kirchlichem Kalender und närrischer Ausgelassenheit und zeigte auf, wie eng Religion und Brauchtum miteinander verwoben sind. Dass die närrische Zeit unmittelbar vor der Fastenzeit liegt, erschien plötzlich nicht mehr als bloßer Zufall, sondern als wohlplatzierter dramaturgischer Höhepunkt im Jahreskreis.

Das Museum selbst beeindruckt durch einzigartige Exponate: kunstvoll geschnitzte Masken aus unterschiedlichen Regionen, farbenprächtige Kostüme aus aller Welt und historische Zeugnisse, die belegen, dass der Narr zu allen Zeiten mehr war als bloßer Spaßmacher – nämlich Mahner, Spiegel und bisweilen auch subversiver Kommentator seiner Epoche. Wer hier durch die Räume wandelt, begreift, dass Humor eine ernste Angelegenheit sein kann.

Ein weiterer Höhepunkt war die Besichtigung der Akademieräume, in denen all jene, die sich dem Fasching verschrieben haben, Fertigkeiten trainieren und verfeinern können – sei es in der Büttenrede oder in der choreografierten Bewegung. So wurde deutlich, dass hinter jeder gelungenen Prunksitzung nicht nur Inspiration, sondern auch Übung, Disziplin und eine gehörige Portion Idealismus stehen.

So feierten die Teilnehmenden den Fasching an diesem Samstag auf spektakuläre und doch ungewöhnlich stille Weise: ohne Konfetti, aber mit reichlich Erkenntnisgewinn; ohne Tusch, doch mit nachhaltigem Eindruck. Im Anschluss kehrte die Gruppe bei Eis Stephan ein, um bei Kaffee und angeregter Unterhaltung das Erlebte Revue passieren zu lassen. Hier einige Stimmen: „ Eine tolle Veranstaltung!“ „Ein gelungener Ausflug!“

Und so zeigte sich einmal mehr: Die Fastnacht mag ihre lautesten Töne auf den Straßen entfalten – doch ihr Fundament liegt in Geschichte, Gemeinschaft und dem unerschütterlichen Willen, dem Ernst des Lebens mit einem Lächeln zu begegnen.

 

Kommentare

Neue Kommentare erscheinen nicht sofort. Sie werden von der Redaktion freigegeben. Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht.

Die Trackback-URL ist die Adresse dieser Seite.

Kommentar eingeben


Speichern

Keine Kommentare vorhanden

Facebook

SPD Ortsverein auf Facebook

Mitglied werden